Elbkinder: Bundesprogramm „Kita-Einstieg“. Positive Resonanz auf den 1. Fachtag der Hamburger Projektpartner

In der Zentralbibliothek der Bücherhallen fand am 5. April 2018 der offizielle Hamburger Auftakt des Bundesprogramms „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ statt.

Dieses Programm hat das Bundesfamilienministerium 2017 gestartet. Es werden Projekte gefördert, die Kindern den Einstieg in das deutsche Kita-System erleichtern. Dabei sollen Familien angesprochen werden, die bisher wenig von institutioneller Kindertagesbetreuung erreicht wurden, unter anderen Familien mit Fluchterfahrung. Denn Kindertagesbetreuung fördert nicht nur das Kind, sondern kann zur Integration der ganzen Familie beitragen.

In Hamburg wird das Projekt „Kita-Einstieg“ als Gemeinschaftsprojekt der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) und der Kita-Anbieter durchgeführt. Die bei der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V. (AGFW) angesiedelte Koordinierungsstelle ist zuständig für die Steuerung und das Management des Gesamtprojektes.

Mit den zusätzlichen Ressourcen des Bundesprogramms konnten in der Hansestadt seit vergangenem Herbst zehn sogenannte Kita-KulturlotsInnen-Projekte ins Leben gerufen werden: von der Malwerkstatt in einer Erstunterkunft über Eltern-Kind-Spielkurse bis zu offenen Beratungsangeboten. Alle diese Angebote haben zum Ziel, Eltern und Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund für die Kita zu begeistern und mögliche, anfängliche Hürden zu überwinden. Bei den Elbkindern hat die Kita-Kulturlotsin Eva Brudler ihre Arbeit an dem Standort Kita Grunewaldstraße aufgenommen. Die Kita hat unter der Leitung von Dörte Dorbandt und Cordula Prier-Belke in direkter Nachbarschaft zu einer Wohnunterkunft seit Dezember 2017 ihre Türen für Kinder und Familien aus der Umgebung geöffnet.

Einen weiteren Baustein des Projekts bilden Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte und Kita-Teams, die sich durch die Aufnahme von Kindern mit Flucht- und Migrationshintergrund vor besondere Herausforderungen gestellt sehen. Diese Angebote richten sich an pädagogische Fachkräfte aller Kitas der Hamburger Projektpartner. Bei den Projektpartnern sind hierfür jeweils QualifizierungsexpertInnen damit betraut, entsprechende Fortbildungen anzubieten und zu verankern. Bei den Elbkindern nehme ich seit Januar 2018 in der Abteilung Aus- und Fortbildung diese Aufgabe mit viel Freude wahr.

Die Hamburger Akteure rund um den Kita-Einstieg zusammenzubringen, Ideen auszutauschen sowie innovative und bewährte Maßnahmen kennenzulernen – darum ging es auf dem Fachtag, den die Koordinierungsstelle Hamburg veranstaltet hat. Die Bücherhallen Hamburg stellten zu diesem Anlass ihre Räumlichkeiten in der Zentral- und Kinderbibliothek zur Verfügung. Dort wurden Einblicke in die frühpädagogischen Fachabteilungen und Medienbestände vermittelt.

Begrüßt wurden die BesucherInnen von Dr. Melanie Leonhard, Sozialsenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg, Hella Schwemer-Martienßen, Direktorin der Bücherhallen Hamburg, sowie von Dirk Ahrens, Vorsitzender der AGFW e.V. Danach stellten Christine Laufert, Projektleiterin, und Jana Tietje, Fachkraft für Praxistransfer der Koordinierungsstelle, das Gesamtprojekt Kita-Einstieg vor. Abgerundet wurde die Präsentation durch die Schilderung der Kita-Kulturlotsin Marion Koch, die ihre Aufgabe in Mümmelmannsberg und ihr Selbstverständnis als „Kita-Streetworkerin“ sehr plastisch beschrieb. Im Anschluss hatten die knapp 160 BesucherInnen – unter ihnen pädagogische Fachkräfte, Sprachfachkräfte, Kita-LeiterInnen, BehördenvertreterInnen, TeilnehmerInnen am Bundesprogramm aus anderen Bundesländern und MedienvertreterInnen – die Möglichkeit, die Informationsstände der einzelnen Projektpartner zu besuchen. Hier entstanden schnell zahlreiche angeregte Gespräche mit den Kita-KulturlotsInnen und QualifizierungsexpertInnen. Fragen wurden geklärt, Projekte vorgestellt, Ideen ausgetauscht, zukünftige Pläne diskutiert und mögliche Felder der Zusammenarbeit angedacht. Es hat großen Spaß gemacht, in dieser großen, lebendigen und befruchtenden Runde dabei zu sein!

Einen Höhepunkt des Vormittags bildete der Beitrag von Prof. Dr. Renate Zimmer, der Direktorin des Niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe). In ihrem Vortrag „Vielfalt als Chance und Herausforderung – wie Zugänge zu frühen Bildungsprozessen gelingen“ ging Prof. Zimmer auf die herausragende Bedeutung von Bildung ein und zeigte, dass besonders für Kinder und Familien in ökonomischen Risikolagen, für Kinder und Familien mit Migrationshintergrund sowie für Kinder und Familien mit Fluchterfahrungen der Zugang zur Bildung erschwert ist. Insbesondere ging sie auf mögliche Hürden ein, die geflüchteten Familien den Einstieg in das Kita-System erschweren. Gleichzeitig benannte sie auch die speziellen Herausforderungen, von denen die Kita-MitarbeiterInnen aus der Zusammenarbeit mit geflüchteten Eltern berichten. In erster Linie seien dies Sprachbarrieren, Unsicherheiten sowohl bei den Eltern als auch bei den MitarbeiterInnen sowie unterschiedliche Erziehungsvorstellungen und kulturelle Hürden.

Prof. Zimmer unterstrich, wie wichtig besonders für diese Kinder und Familien ein früher Start in die Bildung ist. Hierbei spiele die Sprachbildung eine herausragende Rolle, welche wiederum davon profitiert, wenn alters- und kulturspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden und die Familien in die Kita-Arbeit einbezogen werden können. Abschließend stellte Prof. Zimmer Beispiele aus der Praxis vor, die zeigten, wie der Einstieg der Kinder und Familien in die Kita positiv gestaltet werden kann. Hierzu bieten sich insbesondere integrative Handlungsfelder an, wie zum Beispiel Musik, künstlerisches Gestalten oder Bewegung. Diese Bereiche eignen sich gut für eine kultursensitive Arbeit, da sie den Umgang mit anderen ohne viel verbale Interaktion ermöglichen und gleichzeitig gemeinschaftsstiftende Potenziale enthalten. Die Zusammenarbeit mit Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund funktioniere zudem vor allem dann gut, wenn es gelingt, an den vorhandenen Interessen und Sorgen der Familien anzusetzen und den Blick dabei auf die Stärken zu richten, die diese Familien haben

Nach einer Mittagspause und einem stärkenden Imbiss ging es dann am Nachmittag mit Praxismodulen weiter. Ausprobieren, Kennenlernen und Netzwerken standen auf dem Programm! In zwei Durchläufen wurden Einblicke in Fachthemen und in die praktische Arbeit geboten, wobei die TeilnehmerInnen jeweils an insgesamt zwei Modulen teilnehmen konnten. Insgesamt acht Angebote standen zur Auswahl. Unter anderem vermittelten Mitarbeiterinnen der Bücherhallen einen Einblick in die kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit in Bilderbüchern, KollegInnen der BASFI beschrieben, wie die Behörde Infos zum Hamburger Kita-System vermittelt, und die Stiftung Kultur Palast Hamburg stellte das Gast-Projekt „International Music Education“ vor, das in Kooperation mit Kitas Geflüchtete mit musikpädagogischem Hintergrund zu Musik-ErzieherInnen qualifizieren möchte. Auch die Elbkinder waren am Nachmittag mit einem Praxismodul vertreten: Dörte Dorbandt und ihre Kollegin Cordula Prier-Belke aus der Kita Grunewaldstraße erzählten anschaulich von ihrem Projekt „Sprachförderung mit Hand- und Klappmaulpuppen“, das sie mit ihrem Team erfolgreich in ihrer Kita umgesetzt haben.

Die Puppen sind dabei weniger Spielzeug, sondern ein kreatives und wirkungsvolles Mittel, um Kinder und Eltern non-verbal zu erreichen. Dabei haben die TeilnehmerInnen des Moduls nicht nur interessante Hinweise zu einem gelingenden Einsatz von Handpuppen und gute Impulse zum Einbinden von Eltern erhalten, sie durften vor allem selber tätig werden und ihre eigene Klappmaulpuppe herstellen. Am Ende des Tages verließen zahlreiche wunderbare und individuell gestaltete Puppenwesen zusammen mit ihren zufriedenen SchöpferInnen die Zentralbibliothek.

Die kurze gemeinsame Abschlussrunde nach den Praxismodulen zeigte deutlich, wie viel anregenden Input die TeilnehmerInnen aus dem Fachtag mitnehmen konnten.

Die Mitwirkenden des Programms „Kita-Einstieg“ in Hamburg freuen sich, dass der 1. Fachtag so großen Anklang gefunden hat und blicken gespannt auf die vielen Projekte und Begegnungen, die nun vor ihnen liegen. Wir sehen uns dann spätestens zum 2. Fachtag im nächsten Jahr!

Dr. Susanna Jeschonek-Seidel, Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas gGmbH

© Ein Beitrag aus der Stadtkinderausgabe 2-18 der Elbkinder