Mal nachgefragt…

Kannst du schon von positiven Beispielen aus deiner Praxis als Kita-Kulturlotsin berichten?

„Ich denke da zum einen an zwei Kinder aus dem Eschenweg, die ich zeitgleich in der Kita Brödermannsweg unterbringen konnte. Da hat es „bilderbuchartig“ (laut Leitung) geklappt. Ich habe die Mütter zum Kennenlernen begleitet, sichergestellt, dass Gutscheine beantragt werden und dass ein Dolmetscher zum Eingewöhnungsgespräch mit den Eltern kommt. Nach einem halben Jahr folgte das erste Entwicklungsgespräch – auch rechtzeitig geplant mit Dolmetscher. Dieses war wohl sehr intensiv und hat dem Erzieher geholfen, besser zu verstehen, wieso die Kinder in bestimmten Dingen so sind, wie sie sind, z.B. hinsichtlich der Mittagsschlafgewohnheit. Durch die Kinderbetreuung konnten sich die Mütter zum Sprachkurs anmelden und sind – glaube ich – sehr happy.

In der gleichen Kita habe ich auch ein weiteres Geschwisterpaar unterbringen können. Die größere Schwester war erst total schüchtern, hat an Mama geklebt und geweint. Nach einer halben Stunde kurvte sie fröhlich auf dem Roller über den Hof und beide Kinder wollten gar nicht mehr weg. Ich denke, für diese beiden Mädchen war es sehr wichtig, endlich in die Kita zu gehen als Abwechslung zum Alltag in der WUK. Beide waren schon im Elementarbereich-Alter.

Allerdings fehlte bei ihnen am ersten Tag dann immer noch der Gutschein, der eigentlich rechtzeitig beantragt worden war und den ich auf die Schnelle durch meinen guten Draht zur Sachbearbeiterin doch noch vorlegen konnte. Das war für die Kita natürlich wichtig. Die Leitungen vertrauen uns ja ein Stück weit, dass alles klappt, wenn wir ihnen Familien vermitteln wollen, deren Gesamtsituation schwierig ist – ihre Probleme legen diese ja nicht automatisch vor dem Kita-Tor ab. Deshalb ist mir die Leitungsrunde auch so wichtig. Die Kita-Leitungen sollen das Gefühl haben, von mir bei Bedarf Unterstützung zu erhalten, wenn Sie sich auf möglicherweise kompliziertere Betreuungsverhältnisse einlassen – allein schon der Sprachbarriere wegen – ohne dafür zusätzliche Stunden, mehr Geld oder sonstigen Beistand zu bekommen.

Bei einer Familie habe ich es mithilfe von einer Sozialpädagogin geschafft, für den verhaltensauffälligen Sohn einen Prio10-Schein zu bekommen. Den Platz haben sie dann allein gefunden (der Vater spricht gut Englisch), mit viel Glück, aber das braucht es auch manchmal.

Und jetzt gerade ist es uns gelungen, ein Kind relativ spontan in einer Kita unterzubringen, das plötzlich keine sichere Betreuung mehr hatte. Die Mutter kenne ich schon länger – auf einmal war es ganz dringend. Mit viel Glück hat sich ein Platz gefunden, auf den die Eltern absolut angewiesen sind, denn beide müssen arbeiten und selbst ihren Unterhalt erwirtschaften. Nun schauen wir, dass die Familie einen höheren Gutschein erhält, damit das Kind mittags noch in der Kita schlafen kann. Die Kita ist erfreulicherweise supernett auf die Bedürfnisse der Familie eingegangen, z.B. war die Eingewöhnung in der ersten Zeit erst ab Mittag. Ich finde, da muss man auch mal die Kitas loben, die sich teilweise sehr bemühen, den Familien zu helfen. Sie nehmen noch ein weiteres Kind ab November auf, dessen Mutter auch dringend zum Integrationskurs MUSS – sonst drohen ernsthafte Konsequenzen! Manche Familien sind in sehr brenzligen Situationen, was die bürokratischen Auflagen angeht – das darf man nicht vergessen.“

Aufgezeichnet von Kerstin Dählmann, Kindermitte e.V.

2018-12-12T13:46:13+02:00