Offene Spielgruppe mit Vorlesestunde für Groß und Klein

„Bibliotheken sind geheime Fenster – durch sie kann man in andere Länder, Kulturen und Herzen schauen“

Rafik Schami, syrisch-deutscher Schriftsteller

Bücher sind ein wunderbares Medium, um gemeinsam mit den Kindern die Welt zu entdecken. Sie regen die Phantasie an, vermitteln Wissen, laden zu Gedankenreisen in unbekannte Lebenswelten ein. Die Bücher ermöglichen es, sich an Orte zu begeben, an denen man niemals gewesen ist oder an die man vielleicht niemals hinkommen wird. Und sie können sowohl Eltern als auch Kindern einen ersten Kontakt mit einer Kita bieten!

Vorlesen lassen und die Elbkinder Kita-Grunewaldstraße kennenlernen

Eine solche Gelegenheit besteht jeden Mittwoch in der Kita-Grunewaldstraße. Dort sind Babys und Kleinkinder bis sechs Jahre mit ihren Eltern ab 14.00 Uhr herzlich zur Vorlesestunde eingeladen. In entspannter Atmosphäre können sich die Kinder zunächst in der Kita umschauen und einen Eindruck von den verschiedenen Gruppenräumen gewinnen. Dabei erzähle ich dann vom Kita-Alltag in unseren Gruppen.

Wenn das eigene Kind in die Kita gehen soll, ist das häufig ein großer Schritt für die gesamte Familie. Das merke ich, wenn Mütter und Väter bei ihrem Besuch Fragen wie diese stellen: „Wie komme ich an einen Kitaplatz? Wie ist das mit dem Kitagutschein? Muss mein Kind trocken sein, bevor es aufgenommen werden kann? Oder: Wie läuft das mit der Eingewöhnung?

Darüber hinaus nehmen auch viele Familien mit Migrationshintergrund das Vorlese-Angebot wahr. Das bietet die Chance, Menschen, für die deutsche Kitas und deren Bildungsangebote noch unbekannt sind, über unsere Betreuungsangebote und -aufgaben zu informieren. Kommt es dabei zu Verständigungsproblemen auf Grund von Sprachbarrieren, erhalte ich Unterstützung von anderen Müttern oder meinen Kita-Kolleginnen. Manchmal helfen auch Übersetzungs-Apps auf dem Smartphone weiter.

Nach dem ersten „Beschnuppern“ setzen wir uns gemütlich in einem Kreis zusammen und die Vorlesestunde beginnt: Die Bücher und Bildgeschichten die wir lesen, behandeln vielschichtige Themen wie zum Beispiel „Mein Zuhause“ oder „Die Jahreszeiten“. Auch der multikulturelle Hintergrund vieler Familien spielt bei der Auswahl der Bücher eine wichtige Rolle. Geschichten in denen unterschiedliche Lebensweisen der Familien vorkommen ermöglichen es über die individuellen Erfahrungen und Situationen ins Gespräch zu kommen. Wir lernen miteinander und voneinander – und manchmal mal auch neue Worte.

Die Kita als vertraute Umgebung gibt Zuwendung und Sicherheit

Unterstützt werde ich von unserer engagierten und ehrenamtlichen Vorleserin Hanna. Sie freut sich jede Woche sehr, wieder den Kindern und ihren Familien vorzulesen. Hanna hat immer eine große Tasche dabei, in der sich lustige und interessante Gegenstände befinden. Und so holt sie, passend zur Vorlesegeschichte, beim Lesen schon einmal eine Bratpfanne oder einen Badeschwamm aus der Tasche. Wie in der Geschichte von „Mein erstes Buch von meinem Zuhause“. Das entspannt die Atmosphäre und bringt alle zum Lachen. Außerdem merken sich Kinder Worte und Geschichten besser, wenn sie die Gegenstände auch berühren können und einen eigenen Eindruck bekommen. Wir wollen möglichst verschiedene Sinne ansprechen und den Wiedererkennungswert steigern.

Am 10. April wurde das Buch „Alles über die Feuerwehr“ mitgebracht. Das hatte sich Alexander gewünscht. Als plötzlich ein „Tatütata“ aus der Tasche zu hören war, war die Aufregung groß. Die Kinder waren mit ihrer Aufmerksamkeit ausschließlich in der Vorlesesituation und konnten in dem Buch immer wieder etwas Neues entdecken. In solchen Momenten ist zu sehen, wie sehr auch die Mütter die gemeinsame Zeit beim Vorlesen genießen.

Schön ist es auch zu sehen, wie neue Kinder reagieren. Emma, die neu beim Angebot war, ließ sich schnell von der Stimmung und der Umgebung begeistern. So viele Spiele, Puppen, Bücher und Bausteine zum Greifen nah. Auch Ihre Mutter war sehr interessiert und ging zusammen mit ihrer Tochter auf Entdeckungstour. Mich freut es immer sehr, wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern etwas erleben und neugierig sind.

Wenn sie in der nächsten Woche wieder zum Vorlesen und Spielen kommen, werden sie sich schon wieder ein bisschen sicherer fühlen und das Kita-Leben von Mal zu Mal immer besser kennen lernen. Wird Emma dann irgendwann einen Kitaplatz bekommt, wird es für Mutter und Kind sicher leichter sein, sich einzugewöhnen.

Autorin: Eva Brudler