Eine Tasche – ein Thema. Jede Menge Lernstoff rein in den Kopf. Fertig.

So einfach ist es wohl bei den wenigsten pädagogischen Themen. Meist bedeutet pädagogisches Lernen nicht nur das kognitive Erfassen von Lerninhalten und Theorien. Es beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Geschichte, sowie die Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns. Dies gilt insbesondere für die vorurteilsbewusste Pädagogik.

Sie ist eine Reise von sich selbst zu ‘den Anderen’, wieder zu sich selbst und weiter. Es geht nicht nur darum, Gemeinsamkeiten und Unterschiede anzuerkennen. Vielmehr wird auch der „Einfluss sozialer Stereotype, Vorurteile und Diskriminierungen auf die Entwicklung und Interaktionen von Kindern problematisiert.“[1] Dies setzt voraus, dass wir uns mit diesen beschäftigen.

Nicht nur mit dem Schubladendenken der ‘Anderen’, sondern auch mit dem eigenen: Welche Vorurteile habe ich? Welche Bilder über andere Kulturen oder Religionen existieren in meinem Kopf? Frage ich bei Technikfragen immer als erstes den Mann in der Runde? Und wie ist es eigentlich bei mir im Kindergarten? Wo begegnen mir in der Lernumgebung Stereotype und Vorurteile?  Finde ich, dass man nur mit Besteck am Tisch ‘richtig’ isst? Wenn wir beginnen uns diese Fragen zu stellen, ist dies schon der erste Schritt auf der Reise durch die vorurteilsbewusste Pädagogik. Aber Achtung! Diese Reise wird wohl nie zu Ende sein und gerade der Anfang ist wie so oft besonders schwer.

Doch gerade an schwereren Wegstücken kann die Qualifizierung To Go-Tasche mit dem Thema „Vorurteilsbewusste Pädagogik“ eine hilfreiche Begleiterin sein. Sie ist voll mit Informationen, Impulsen und Ideen, die Euch die Reise etwas erleichtern können. Denn auch wenn es manchmal weh tut, auf eigene Vorurteile aufmerksam gemacht zu werden, so ist dieser Weg doch wunderschön und vielfältig. Und (das ist das Wichtigste) er lohnt sich!

Es lohnt sich, Kinder in ihrer Identität zu stärken. Dazu gehört die Stärkung der Ich-Identität und der Bezugsgruppen-Identität. „Wie weit es Kindern möglich ist, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln, ist untrennbar an das gesellschaftliche Ansehen der jeweiligen Bezugsgruppe gekoppelt“[2]. Daher ist es nötig, sich mit den jeweiligen Bezugsgruppen der Kinder zu beschäftigen (Ziel 1).

Es lohnt sich, allen Kindern Erfahrung mit Vielfalt zu ermöglichen. Denn wenn sie die Möglichkeit haben, aktiv und bewusst Erfahrung mit Menschen zu machen, die anders aussehen oder sich anders verhalten als sie selbst, können sie sich mit ihnen wohlfühlen und Empathie entwickeln. Kinder lernen Vorurteile aus Vorurteilen und nicht aus der Begegnung mit Vielfalt (Ziel 2).

Es lohnt sich, kritisches Denken über Gerechtigkeit und Fairness anzuregen und den Kindern eine Sprache zu geben, mit der sie sich darüber verständigen können, was fair und was unfair ist. So erlernen Kinder unfaires Verhalten gegenüber sich und anderen als solches zu benennen und zurückzuweisen (Ziel 3).

Es lohnt sich, gegen Unrecht und Diskriminierung aktiv zu werden und  Kinder dazu zu ermutigen, sich gemeinsam mit anderen für Gerechtigkeit einzusetzen[3] (Ziel 4).

Diese vier Ziele aus dem Anti Bias Approach (Anti = gegen; Bias = Vorurteil, Einseitigkeit; Approach = Ansatz) bauen aufeinander auf. Es ist wichtig auf der Reise Schritt für Schritt voranzugehen und sich zunächst die Ziele 1 und 2 vorzunehmen. Erst dann sollte man weitergehen zu Ziel 3 und 4. Denn wer nicht im Selbstbewusstsein gestärkt ist und Unterschiede nicht positiv besetzt, wird sich bei Ungerechtigkeit nicht melden.

Also: Die Tasche ist gepackt. Wer will die Reise wagen?

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[1] Ista: Inklusion in der Praxis #5. Die Kita vorurteilsbewusst leiten. Wamiki. 2018. S. 87.

[2] Richter, Sandra: Frühpädagogische Konzepte praktisch umgesetzt: Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in der Kita. Cornelsen. 2017. S. 29.

[3] Vgl. ebd. S. 29ff.

Text: Inken Zacher