Nah dran an den Eltern der Kinder aus der Pestalozzi-Kita

Wann?

donnerstags 9 – 11 Uhr

Die Eltern der Kinder, die die Pestalozzi-Kita besuchen, sind erst seit zwei bis drei Jahren in Deutschland und dabei – meist unter äußerst schwierigen Bedingungen – hier Fuß zu fassen.

Die Eröffnung dieses besonderen Elterncafés fand im April 2018 statt. Das Angebot der Kita-Kulturlotsin Marion Koch, in Kooperation mit der dortigen Sprachfachkraft, richtet sich an die Eltern der Kinder aus der Pestalozzi-Kita.
Diese Familien sind seit erst zwei bis drei Jahren in Deutschland und befinden sich meist noch mitten im Prozess des Ankommens und Zurechtfindens in einer „fremden” Welt. Das Angebot des Elterncafés stellt die Fachkraft „Kita-Einstieg“ vor eine ganz besondere Herausforderung.

Die vorhandenen Sprachbarrieren gilt es für die Fachkraft durch eine zugewandte Haltung, Begegnung mit Freundlichkeit und Offenheit, einer „einfachen Sprache“ bei der Wortwahl, sowie unter Einsatz von Körpersprache zu überwinden. Wie stellt man pantomimisch dar, dass die S-Bahn-Haltestelle einen Aufzug hat, so dass auch ein Kind im Rollstuhl mitgenommen werden kann?

 

Dabei geht es in den Elterncaféstunden sehr bunt und fröhlich zu. Bei Verständigungsversuchen, die manchmal etwas holperig sind und hin und wieder zu missverständlichen Deutungen führen, haben alle Beteiligten schon sehr viel gelacht. Allerdings wird niemals aufgegeben, bis auch der letzte Elterncafé-Teilnehmende ein bestimmtes Wort verstanden hat und im Bilde ist.

Beim ersten Treffen des Elterncafés nahmen insgesamt 25 Eltern teil. In der darauffolgenden Woche waren es immerhin noch stolze 13 TeilnehmerInnen.

Das Angebot besteht wöchentlich und startet jedes Mal, bei einer Tasse Kaffee oder Tee, mit einer Vorstellrunde. Für die meisten TeilnehmerInnen ist es eine sehr große Herausforderung sich den anderen auf Deutsch vorzustellen. Hier helfen sich die Eltern untereinander und trainieren auf diese Art gemeinsam die deutsche Sprache.

Beratung beim Hausbesuch

Aufgrund der Sprachbarrieren und der offenen Angebotsform  ist eine individuelle, persönliche  Beratung von Müttern und Vätern – während der Elterncafé-Zeit – bei Sorgen und  dringenden Anliegen nicht sinnvoll und angebracht. Hier nutzen einige Eltern das Beratungsangebot der Kita-Kulturlotsin bei einem Hausbesuch.

Bastelangebote

Windlichter
Die Eltern beklebten kleine Teelichtgläser mit Glitzersteinen. Für manche TeilnehmerInnen war es das erste Mal, sich einer derartigen Aufgabe zu widmen und es war festzustellen, dass es ihnen anfänglich etwas schwer fiel. Andere Eltern legten allerdings sofort los und gestalteten filigrane, kleine Kunstwerke. Nach einer kurzen Aufwärmphase hatten jedoch alle TeilnehmerInnen richtig viel Spaß und Freude an der Arbeit. Bemerkenswert war auch die Haltung einiger Väter, die entweder kräftig mitbastelten oder aber auch in zwei Fällen die Babybetreuung übernahmen, damit die Mütter ihr Windlicht fertigstellen konnten.

Büchlein „Kleine Raupe Nimmersatt“
Die Sprachfachkraft hatte begonnen, den Kindern der Pestalozzi-Kita das Buch der kleinen Raupe Nimmersatt vorzulesen. Parallel dazu wurde das Buch mit den Eltern des Elterncafés gelesen, ergänzend in einfacher Sprache besprochen und erklärt. Viel gelacht wurde dabei z.B. bei der nonverbalen Beschreibung, was um alles in der Welt ein „Kokon“ ist! Die Eltern gestalteten dann ein kleines Papierbüchlein, das sie mit ausgeschnittenen, zum Inhalt des Buches passenden Bildern beklebten und beschrifteten. Die Eltern waren dabei äußerst konzentriert und gewissenhaft. Alle waren am Ende sehr stolz auf ihre Ergebnisse und lasen sich gegenseitig ihre Büchlein vor. Beim Abholen der Kinder zeigten die Eltern ihren Kindern die gebastelten Bücher. Die Augen leuchteten, als einige Kinder mit den Werken der Eltern durch die Kita liefen, um allen zu erzählen, was IHRE Mamas für tolle Sachen gemacht haben!

Im Anschluss an das Kaffeetrinken findet eine kleine praktische Arbeit statt. Hier steht das Tun mit den Händen im Vordergrund und die Sprache rückt etwas in den Hintergrund, was es allen TeilnehmerInnen leicht macht, daran teilzunehmen. Dass sich beim Basteln oder Handwerkeln trotzdem Gespräche ergeben, ist ein schöner Effekt.

Die Kita-Kulturlotsin konnte schnell feststellen, dass die Eltern sehr großen Wert darauf legen, neue Wörter zu lernen und anzuwenden. So wünschten sich die TeilnehmerInnen Papier und Stifte, um möglichst alle neu gelernten Worte aufzuschreiben und anschließend vorlesen zu können. Die richtige Aussprache und die Anwendung des richtigen Artikels vor einem Nomen sind ihnen dabei sehr wichtig. Obwohl die Eltern mit hoher Konzentration sehr viel Wert auf das Erlernen neuer Worte und Sätze legen, herrscht im Elterncafé eine außergewöhnlich zugewandte, offene Stimmung. Gegen Ende der wöchentlichen Elterncafé-Zeit erlebt man die Eltern sehr stolz  – zum einen auf ihre fertiggestellten Bastelarbeiten und zum anderen auf ihre Fähigkeiten, sich in der deutschen Sprache ausdrücken zu können.

 

Ausflüge – immer ein großes und verbindendes Abenteuer!

Gemeinsame Erlebnisse verbinden und schaffen Vertrauen. Nach dem Besuch von Hagenbecks Tierpark fand nun für das Elterncafé vom Gleisdreieck ein Ausflug in den Zirkus statt.

 

Der Zirkus Krone hatte uns 31 Freikarten zur Verfügung gestellt. 19 Kinder und 12 Erwachsene konnten an diesem Abenteuer teilnehmen. Los ging‘s direkt nach dem Abholen der Kinder aus der Kita. Die Anreise mit S- und U-Bahn war eine kleine Herausforderung, da einige Kinderwagenkinder dabei waren und die mehrfachen Umsteigeaktionen von allen Beteiligten viel Geduld erforderten. Es dauerte schon einen Moment, bis alle Kinderwagen mit den Aufzügen von einer Ebene zur nächsten transportiert waren. Währenddessen mussten die „Fußgänger“ geduldig auf den Rest der Gruppe warten… und das fiel manchem kleinen Zirkusbesucher nicht so leicht. Es war für Eltern und Kinder eine Geduldsprobe, aber zugleich ein Lernprozess zu „erfahren“, wie man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt bewegt.

Akrobatik, Clowns und Löwen

Die Zirkusvorstellung war beeindruckend! Keines der Kinder hatte bisher schon einen Löwen oder Tiger gesehen. Die Wasser spuckenden Clowns sorgten nicht nur bei den Kindern für Spaß, auch die Eltern lachten Tränen. Bei den Trapez-Akrobaten hielten alle gebannt die Luft an. Zum Glück ist alles gut gegangen und am Ende der Vorstellung waren alle wohlauf – die Artisten und auch die Familien vom Gleisdreieck.

 

Es war ein sehr fröhlicher Tag, an dem viel gelacht und erzählt wurde. Dadurch, dass die Eltern nun schon häufig zu Elterncafé-Stunden und -Ausflügen gekommen sind, sind sie inzwischen recht gut in Übung im Umgang mit der deutschen Sprache. Erste kleine Fortschritte sind erkennbar. Die Verständigung klappt immer besser, und es können kurze Gespräche – in einfacher Sprache – geführt werden. Viele Eltern wenden sich inzwischen an mich als Fachkraft. Sie öffnen sich immer mehr und tragen ihre Anliegen und Sorgen vor.

Der Ausflug in den Zirkus war ein weiterer Schritt, um sich noch näher kennenzulernen und gleichzeitig eine schöne Maßnahme zur Vertrauensbildung, damit langfristig eine gute Erziehungspartnerschaft entstehen kann.

Text und Fotos vom Zirkusausflug: © Marion Koch