Bessere Kita-Platzvergabe durch Algorithmen?

Die Kitaplatzvergabe stellt für viele Familien mit Kindern unter sechs Jahren ein großes Problem dar. Zu wenige Plätze, komplizierte Anmeldeverfahren, intransparente Vergabekriterien – die Suche nach einer Kita-Betreuung sorgt bei über 50 Prozent der Eltern in Deutschland für Frust, wie eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie ergab.

Wie ein aktuelles Impulspapier der Bertelsmann-Stiftung beschreibt, lassen Algorithmen die Vergabe von Kita-Plätzen nicht nur effizienter, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch gerechter gestalten. „Kita-Plätze mit Hilfe von Algorithmen zu vergeben, spart sowohl Eltern als auch Kita-Leitungen viel Zeit und Mühe. Die Planungsunsicherheit und emotionale Belastung, die oft mit der Suche einhergehen, lassen sich auf diese Weise ebenfalls verringern“, so die Projektmanagerin Julia Gundlach.
Es kann zudem mehr Chancengleichheit entstehen. Vor allem Kinder aus benachteiligten Familien könnten davon profitieren, da die Anmeldeprozeduren für viele Eltern eine große Hürde darstellen, die durch den Einsatz einer Software erleichtert werden würden.

Die Aussagen stützen sich auf Praxiserfahrungen in einzelnen Städten und Gemeinden in Deutschland. Hierfür wurde eine in Kitas eingesetzte Software namens „KitaMatch“ eingesetzt, welche 2017 vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung entwickelt wurde und als kostenfreie Open-Source-Angebot zur Verfügung steht.
Sie basiert auf einen vorab definierten Katalog von Vergabekriterien und den elterlichen Angaben zu den Wunsch-Kitas.

Um eine Transparenz, Überprüfbarkeit und letztlich auch die Akzeptanz von Zu- oder Absagen so gut es geht zu garantieren, ist jedoch eine Beteiligung, offene Kommunikation und gemeinsame Aushandlung der Kitas, ihrer Träger, Jugendämter und Eltern am Kriterienkatalog erforderlich. „Algorithmen“, so Grundlach, “sorgen nicht automatisch für mehr Fairness. Die Empfehlungen einer Software sind nur so gerecht wie die Kriterien, nach denen diese programmiert ist“.

Mehr Informationen und weitere Materialien zu dem Projekt gibt es hier.