Brücken bauen zu Bildungsangeboten, aber besonders zu Menschen

Barbara von Oertzen

Seid willkommen!

Ein Projekt für Familien mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrungen in der katholischen Kita St. Paulus in Billstedt

Ankommen in einem fremden Land: eine fremde Sprache, unbekannte Regeln, neue Gerüche und Lebensmittel, ein anderes Klima, Menschen, die anders aussehen und sich verhalten. Alle Dinge, welche die bisher gewohnten Lebensbereiche bestimmten, sind auf einmal neu, anders und fremd.

Da ist es schön, einen freundlichen, hellen Ort zu finden, der mich willkommen heißt, mich einlädt, den Alltag mit all seinen Herausforderungen hinter sich zu lassen. Ein Ort zum Austausch mit Gleichgesinnten, Menschen mit ähnlichen Interessen oder unterschiedlichen Problemen.

Wir geben Müttern (und Vätern) mit ihren Kindern Raum und Möglichkeiten, sich in einer offenen, fröhlichen Atmosphäre zu treffen, sich wohl zu fühlen und zu entspannen, angenommen zu sein in einer fremden, zuweilen ablehnenden, manchmal feindlich wirkenden Stadt.

Mit unseren niedrigschwelligen, kostenfreien Angeboten (Babytreff, Spielgruppe, Kinder in Bewegung und Eltern Café) laden wir Familien ein, die neu in unserer Stadt sind, die noch keinen Kita-Platz haben und die in der herausfordernden Zeit mit einem Säugling oder Kleinkind eine Möglichkeit suchen, Kontakte zu knüpfen.

In diesen Gruppen geschieht viel, manches unbewusst und auf den ersten Blick nicht sichtbar: Gemeinschaftserlebnisse, Eintauchen in eine neue Sprache, ein Miteinander verschiedener Kulturen und Nationalitäten, Austausch über Kindererziehung und Pflege, Weitergabe von Informationen, die für Familien wichtig sind. Erste Annäherungen und neue Freundschaften entstehen; Kinder erleben soziale Kontakte beim Spielen.

Als begleitende Pädagogin mache ich verschiedene Angebote und unterstütze die zu uns kommenden großen und kleinen Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen. Bei Bedarf gibt es Beratungsangebote, die für die jeweilige Familie in vielerlei Hinsicht hilfreich sein können und konkrete Unterstützung bieten, z.B. für das Aufsuchen weiterer Einrichtungen im Stadtteil. Eine gute Vernetzung zu anderen Beratungsstellen im Quartier ergänzt diese Arbeit.

Die Nähe zur “Anker-Kita” in der Nachbarschaft begünstigt die Bereitschaft der Interessenten, diese zu besuchen und kennenzulernen. Sie können an Themenelternabenden oder Informationsveranstaltungen teilnehmen, Schwellenängste abbauen, vertrauensvoll den Weg in die Kitabetreuung beschreiten und diese als wertvolles Bildungsangebot für ihr Kind erleben.

Dieses Projekt ist nicht nur für die Eltern und Kinder, die neu in unser Land und den Stadtteil kommen, eine Bereicherung, sondern auch für mich persönlich.

Die gesellschaftlichen Veränderungen, gerade im Bereich der Migration, zeigen uns allen neue Möglichkeiten auf, die direkten Kontakte und den lebensnahen Austausch mit anderen Kulturen zu gestalten; kein interaktives Medium kann dieses ersetzen. Barrieren werden überwunden, Horizonte werden erweitert. Gemeinsam können neue positive und bereichernde Erfahrungen gesammelt werden.
Ich möchte dabei nicht nur Brücken bauen zu den Bildungsangeboten, sondern besonders zu den Menschen, die zu uns kommen. Zu den Eltern, egal welcher Herkunft, Nation oder aus welchem sozialen Hintergrund. Ich möchte konkrete Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und die Menschen so stärken, die vielen kleinen und großen Schritte in der Entwicklung ihres Kindes adäquat zu begleiten.

Eine wunderbare Aufgabe!

„Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, es ist muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.“
„Wenn man es gelernt hat, ist es leicht, Brücken aus Holz, Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind sehr viel schwieriger.“ sagte er, „die baue ich in meinen Träumen.“
„Welche anderen Brücken?“ fragte das Kind. Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er:
„Ich möchte eine Brücke bauen – von der Gegenwart in die Zukunft. Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit zum Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit über alles hinweg.“
Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil es ihn wieder froh machen wollte, sagte das Kind: „Ich schenke dir eine Brücke“, und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen. (Anne Steinwart)

Mein persönlicher Kita Einstieg

Im Herbst 2017 wurde ich von meinem Kita-Leiter eingeladen, mich für das Projekt als pädagogische Mitarbeiterin zu engagieren.

Seit vier Jahren arbeite ich in der kath. Kita in Billstedt mit 170 Kindern, wo ich die Vorschule leite, als Kinderschutzbeauftragte und in der Eltern- bzw. kollegialen Beratung tätig bin.

Ich habe selbst vier, inzwischen erwachsene, Kinder, war zwanzig Jahre mit einem Offizier der Britischen Armee verheiratet und bin durch häufige Versetzungen viel in der Welt umhergekommen, bin also mit Aufbruch, Neuanfängen und den damit verbundenen Veränderungen vertraut.

Die vielseitigen Herausforderungen, die dieses neue Projekt bietet, motivierten mich diesen zu stellen. Besonders gut gefällt mir dabei, dass dieser Weg nicht vorgeschrieben ist, dass es die Möglichkeit gibt, Angebote zu entwickeln, auszuprobieren und vielleicht sogar wieder aufzugeben oder durch andere zu ersetzen. Eine kreative Aufgabe!

Ich finde es spannend mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Nationalität und sozialem Background zusammen zu kommen, immer wieder neue Lebensgeschichten zu erfahren.
Es ist sehr schön bei dieser Arbeit zu erleben, wie sich nach einer ersten Annäherung, nach und nach Vertrauen und Beziehung aufbauen, die es dann ermöglichen, dass Menschen bzw. Eltern sich öffnen um Unterstützung bei den Herausforderungen des Erziehungsalltags und ihrer Lebensbewältigung anzunehmen.

Gerne möchte ich mit diesem Projekt so vielen Eltern und Kinder wie möglich die zahlreichen Bildungsangebote und Möglichkeiten, die es in diesem Land gibt, kennen zu lernen und zu nutzen, Hemmschwellen zu überwinden und sich stark zu fühlen bei der Erziehung ihrer Kinder.

Barbara von Oertzen, Katholische Kita St. Paulus (Caritas)

Der Flyer zu den Angeboten:
Flyer St. Paulus__Angebote Kita-Einstieg

 

 

Die Angebote der Kita-Kulturlotsin Barbara von Oertzen in Billstedt