Familien im Fokus, die schwer den Kontakt zu einer Kita finden

Die Kita-Kulturlotsin Marion Koch informiert Eltern mit kleinen Kindern zu allen Anliegen und Fragen rund um das Thema Kita sowie über die Wichtigkeit und den Wert von früher Bildung. Dabei hat sie insbesondere die Familien im Fokus, die nicht auf den üblichen Zugangswegen den Kontakt zu einer Kita finden.

Die Anker-Kita der Kita-Kulturlotsin ist das Kinderhaus St. Nicolaus der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Mümmelmannsberg.  Hier leben viele Familien mit Migrationshintergrund, teilweise in schwierigen Lebenslagen und in einer angespannten finanziellen Situation. Dieses hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Kinder und deren Entwicklungs- und Bildungschancen.

Nachdem viele regionale Unterstützungsangebote für Familien mit kleinen Kindern in die Hamburger City zentralisiert und somit für die Menschen aus Mümmelmannsberg nur noch schwer und zum Teil gar nicht mehr erreichbar wurden, setzte sich die Kita-Leitung des Kinderhauses St. Nicolaus zum Ziel, ein niedrigschwelliges Angebot vor Ort für Familien zu entwickeln und zu installieren.

Im Dezember 2017 startete in Mümmelmannsberg – angesiedelt im Kinderhaus St. Nicolaus – das regionale Angebot der Kita-Kulturlotsin, vorwiegend in den Bereichen Beratung und niedrigschwellige Eltern-Kind-Angebote.

Marion Koch informiert Eltern mit kleinen Kindern zu allen Anliegen und Fragen rund um das Thema Kita, sowie über die Wichtigkeit und den Wert von früher Bildung. Dabei hat sie insbesondere die Familien im Fokus, die nicht auf den üblichen Zugangswegen den Kontakt zu einer Kita finden.

Manche Eltern beschäftigen sich schon früh – während der Schwangerschaft – mit dem Thema Kita-Einstieg, manche erst später – wenn das Kind bereits geboren ist und manche wollen oder können sich nicht ausreichend mit dem Thema befassen. Das kann mehrere Gründe haben: Sprachbarrieren, Angst vor neuen, unbekannten Systemen, Angst aufgrund eigener, schlechter Erfahrung in der Kita, Probleme mit dem Loslassen des Kindes, Angst vor Nichtakzeptanz durch andere Eltern oder auch mangelndes Wissen über „Frühe Bildung“ in der Kita.

Auch große Sorgen – wie z.B. Paarkrisen, Schulden oder Jobverlust – die eine Familie in dieser Lebensphase u.U. begleiten, können die Bereitschaft blockieren, sich mit dem Thema Kita-Einstieg aktiv auseinanderzusetzen.

Es ist wichtig, diese Menschen frühzeitig zu erreichen, damit auftauchende Schwierigkeiten gelöst werden können und sich nicht später zu ausgewachsenen Problemen entwickeln.

So können die Ressourcen der Eltern mobilisiert werden. Sie erhalten Hilfe zur Selbsthilfe, werden gestärkt und sind dann offen für Veränderungen und neue Themen – wie z.B. das Angebot von Kindertagesbetreuung in professionellen Einrichtungen.

Dass jede Familie respektvoll, wertschätzend und individuell mit all ihren Themen und Sorgen angenommen wird, ist selbstverständlich.

In der Pestalozzi-Kita „Am Gleisdreick“ befindet sich ein weiteres Einsatzgebiet, das von der Kita-Kulturlotsin einbezogen wird. In dem 2017 fertiggestellten Wohnquartier im Gleisdreieck leben ca. 2500 Menschen mit Fluchterfahrung. Die meisten von ihnen sind erst seit zwei Jahren in Deutschland und brauchen viel Unterstützung bei der Orientierung in ihrem neuen Lebens- und Wohnumfeld.

Viele der dort lebenden Familien kennen die Hamburger Infrastruktur noch nicht. Fehlende Ortskenntnisse, aber auch insbesondere die Sprachbarrieren, stellen eine enorme Herausforderung und teilweise unüberwindbare Hürden für die Menschen dar. Auch das Hamburger Kita-System sowie Sinn und Wert der frühen Bildung, von der Kinder in einer Kita profitieren, sind vielen Eltern am Gleisdreieck nicht bewusst oder bekannt, da in ihren Herkunftsländern keine vergleichbare Kindertagesbetreuung angeboten wurde.

Die Leitung der Pestalozzi-Kita und die Kita-Kulturlotsin haben das Ziel, die Eltern der Kinder ihrer Einrichtung zu stärken und zu unterstützen.

Um das zu erreichen hat Marion Koch dort – gemeinsam mit der örtlichen Sprachfachkraft – ein Elterncafé eröffnet. Eltern kommen hier zusammen, erleben Gemeinschaft, lernen sich untereinander kennen und sprechen miteinander. Dabei wird die praktische Anwendung der deutschen Sprache trainiert und gefördert.
Gemeinsam wird gekocht, gegessen, gebastelt und geschrieben. Ab und zu finden gemeinsame Ausflüge zu wichtigen oder hilfreichen Zielen in der näheren Umgebung statt, z.B. Bücherhalle, günstige Einkaufsmöglichkeiten usw. Die Eltern erleben die Kita ihrer Kinder hautnah. Sie erfahren mehr über Hintergründe und Abläufe, lernen die Fachkräfte kennen – eine gute Erziehungspartnerschaft kann entstehen.

Bei persönlichen individuellen Anliegen haben die Eltern die Möglichkeit, sich in einem Einzeltermin von der Kita-Kulturlotsin beraten zu lassen.

Auch hier ist das Ziel – in einem wertschätzenden Umgang miteinander – Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Marion Koch, Kinderhaus St. Nicolaus (Ev. Stiftung Alterdorf)

 

Die Angebote der Kita-Kulturlotsin Marion Koch in Mümmelmannsberg, Billwerder und Billstedt